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Temperaturturm auswerten
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Der Temperaturturm ist der schnellste Weg, die optimale Drucktemperatur für ein neues Filament zu finden. In 20 Minuten weißt du, bei welcher Temperatur dein Filament sein Bestes zeigt — ohne Rätselraten.
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Was ist ein Temperaturturm?
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Ein Temperaturturm ist ein einzelnes Testobjekt, das in mehreren Stufen gedruckt wird. Bei jeder Stufe senkt der Drucker die Temperatur automatisch — so kannst du alle relevanten Temperaturen in einem einzigen Druck vergleichen.
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\n - Typisch: 8–10 Etagen, je 5–10 °C Unterschied
\n - Startet meist bei 230 °C, endet bei 180 °C (PLA)
\n - Jede Etage testet gleichzeitig: Bridging, Überhänge, Details, Stringlng
\n - Ergebnis: Die beste Temperatur für dein Filament aus deinem Drucker
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Schritt 1: Turm-Modell holen
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\n - OrcaSlicer: Calibration → Temperature Tower — direkt eingebaut, keine Datei nötig
\n - Bambu Studio: Calibration → Filament Calibration → Temperature
\n - PrusaSlicer / Cura: Modell von Printables herunterladen (z.B. „Smart Temperature Tower")
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Schritt 2: Temperatur-Skript einstellen
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Bei OrcaSlicer/Bambu Studio passiert das automatisch. Für PrusaSlicer und Cura muss ein G-Code-Skript die Temperatur pro Layer wechseln.
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PrusaSlicer — Custom G-Code
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Unter Filament Settings → Custom G-Code → Layer Change G-Code eintragen:
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\n {if layer_z < 2}M104 S230{endif}
\n {if layer_z >= 2 and layer_z < 6}M104 S225{endif}
\n {if layer_z >= 6 and layer_z < 10}M104 S220{endif}
\n {if layer_z >= 10 and layer_z < 14}M104 S215{endif}
\n {if layer_z >= 14 and layer_z < 18}M104 S210{endif}
\n {if layer_z >= 18 and layer_z < 22}M104 S205{endif}
\n {if layer_z >= 22 and layer_z < 26}M104 S200{endif}
\n {if layer_z >= 26}M104 S195{endif}\n
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Werte anpassen: Höhenwerte (2, 6, 10…) abhängig vom Turmmodell — die Z-Höhe je Etage steht im Modell-Download.
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Schritt 3: Turm auswerten
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Nach dem Druck jede Etage systematisch bewerten:
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\n \n \n | Kriterium | \n Zu kalt | \n Zu heiß | \n Optimal | \n
\n \n \n \n | Layer-Haftung | \n Schichten lösen sich | \n Gut | \n Schichten fest verbunden | \n
\n \n | Stringing | \n Wenig bis kein Stringing | \n Viele Fäden | \n Minimal, kaum sichtbar | \n
\n \n | Oberfläche | \n Matt, rau, Poren sichtbar | \n Glänzend, verschmiert | \n Gleichmäßig seidig glatt | \n
\n \n | Bridging | \n Sehr gutes Bridging | \n Stark durchhängend | \n Leicht durchhängend — ok | \n
\n \n | Überhänge | \n Scharf, kaum Curl | \n Wellen, Curl, Ausfransungen | \n Sauber bis ~50° | \n
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Richtwerte nach Material
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\n \n \n | Material | \n Starttemperatur | \n Testbereich | \n Typisch optimal | \n
\n \n \n \n | PLA | \n 230 °C | \n 185 – 230 °C | \n 205 – 215 °C | \n
\n \n | PETG | \n 250 °C | \n 220 – 250 °C | \n 230 – 245 °C | \n
\n \n | ABS / ASA | \n 260 °C | \n 230 – 260 °C | \n 240 – 255 °C | \n
\n \n | TPU | \n 240 °C | \n 210 – 240 °C | \n 220 – 235 °C | \n
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Häufige Fehler
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\n - Turm dreht sich: Kühlung zu hoch → Turm „druckt sich selbst zu schnell ab", untere Layer noch warm. Lüfter auf 80 % für ersten Etagen reduzieren
\n - Keine sichtbare Verbesserung zwischen Etagen: Temperaturschritte zu klein (2–3 °C). Nutze 5–10 °C Schritte
\n - Erste Etage hält nicht: Bett-Temperatur prüfen, nicht Düse
\n - Ergebnis schwankt je nach Filament-Farbe: Normal — Pigmente beeinflussen Viskosität. Jede Farbe separat testen
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\n Workflow:\n Temperaturturm immer vor Flow-Rate und Retraction kalibrieren. Alle anderen Parameter hängen von der richtigen Temperatur ab — falsche Temperatur macht jeden anderen Kalibrierversuch unzuverlässig.\n
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